So viel Wasser

Eine Quiddje entdeckt Hamburg

So viel Wasser Allgemein Hamburg in Grün – Teil 1

Hamburg in Grün – Teil 1



Großstädte sind grau und bestehen aus Beton. Dieses Klischee gibt es immer noch.
Demnach wäre Hamburg keine Großstadt. Hamburg ist nämlich ziemlich grün. Unter anderem gibt es zwei grüne Ringe.

Der 1. Grüne Ring liegt mehr oder weniger mitten in der Innenstadt und zieht sich entlang der alten Wallanlagen. Der 2. Grüne Ring umschließt mit einer Länge von insgesamt 100 km die innere Stadt in einem Abstand von 8-10 km um das Rathaus und liegt vollständig innerhalb des Hamburger Stadtgebietes. Er verbindet Parkanlagen, Waldgebiete, Friedhöfe, Kleingartenanlagen und alles was sonst noch grün ist und ist unterteilt in 8 Abschnitte. Zu jedem Abschnitt gibt es eine eigene Karte, die die Highlights und mögliche Abstecher kurz beschreibt. Der ganze Ring ist ausgeschildert als Freizeitroute 11.
Ich habe den sonnigen Pfingstmontag für eine Wanderung auf dem ersten Abschnitt genutzt.

Der Weg beginnt an der Elbe in Teufelsbrück, auf der Stadtteilgrenze zwischen Othmarschen und Nienstedten, wo der Bach Flottbek in die Elbe mündet. Um den Namen Teufelsbrück rankt sich eine alte Legende. Ein Zimmermann hatte den Auftrag eine Brücke über die Flottbek zu bauen, was sich schwierig gestaltete. Er schloss einen Pakt mit dem Teufel. Der Teufel versprach, ihm zu helfen und sollte dafür die Seele des ersten Lebewesens erhalten, das die Brücke überquert. Normalerweise war das der Erbauer. Bei der Einweihung der Brücke lief dann aber ein aufgescheuchter Hase als erster darüber. Der Teufel war nicht gerade erfreut, aber die Seele des Zimmermanns war gerettet.

Heute ist Teufelsbrück ein Fähranleger und verbindet die Elbvororte mit der Elbinsel Finkenwerder,  wo Airbus Flugzeuge baut. Man kann auf Holzbänken am Ufer sitzen und aufs Wasser schauen oder im kleinen Yachthafen Fisch essen. Ich habe nur kurz aufs Wasser geschaut – ein riesiges Containerschiff fuhr gerade in Begleitung eines Schleppers nach Hamburg ein – und brach dann auf. 10 km Weg lagen vor mir.

Ich begann meine Wanderung mit einem Abstecher. Direkt an der Elbchaussee liegt der Jenischpark. Auch sehr grün und ziemlich groß, aber nicht Bestandteil der Tour. Man kann ihn einbinden, dann verlängert sich die Tour um 1,5 km. Ich warf nur einen Blick in den Park und auf das Jenischhaus und beschloss, ihm einmal einen eigenen Ausflug zu widmen. Immerhin gilt er als einer der bedeutendsten Landschaftsgärten in Norddeutschland und beinhaltet drei Museen.

Der grüne Ring führt stattdessen in den westlich gelegenen Wesselhöfftpark. Man muss nicht weit gehen um zu vergessen, dass man sich ein einer Großstadt befindet. Wenn man die paar Häuser hinter sich gelassen hat und den ersten der beiden früheren Mühlenteiche erreicht, sieht und hört man nur noch Natur. Alte Bäume, der plätschernde Kleine Flottbek und immer wieder lila Rhododendron. Mir fällt es schwer, mir in Erinnerung zu rufen, dass wenige hundert Meter hinter mir Containerschiffe in den Hafen fahren.

An den Wesselhöfftpark schließt sich unmittelbar der Westerpark an, ehemals Teil einer nach englischem Vorbild errichteten „Ornamented Farm“ mit einem Park für jede Himmelsrichtung. Das Grün besteht hier vor allem aus Wiesen. Hundebesitzer können sich über eine Hundeauslauffläche freuen.

Bald erreicht man dann den schnuckeligen S-Bahnhof Klein Flottbek. Das alte Bahnhofsgebäude ist nicht mehr in Betrieb, wurde aber restauriert und steht unter Denkmalschutz.

Direkt hinter dem Bahnhof liegt der nächste mögliche Abstecher, der Loki-Schmidt-Garten. Das Freigelände des Botanischen Gartens in Planten und Blomen wurde in den 70er-Jahren hierhin ausgelagert und trägt seit 2012 den Namen von Loki Schmidt. Ich beschließe, dass auch der Loki-Schmidt-Garten einen eigenen Ausflug verdient.

Der Weg führt nun an Sportanlagen vorbei und umrundet den wiederum recht idyllischen Ziegeleiteich.

Dann folgen Kleingärten und hinter dem Elbe-Einkaufszentrum findet man ihn dann doch, den grauen Beton. In Form eines formlosen Wohnkomplexes. Auf einer Bank sitzt einsam ein Minibackofen.

Jenseits der Osdorfer Landstraße wird es dann schnell wieder grüner. Der Weg führt am Osdorfer Friedhof vorbei und erreicht den Lise-Meitner-Park. Es ist eine offene, helle und hügelige Anlage, die aus Boden geschaffen wurde, der beim Bau des Elbtunnels dort abgetragen wurde. Lise Meitner war Kern-Physikerin und eine der ersten Frauen in der Wissenschaft. Es riecht gut im Park, nach blühenden Bäumen.

Nach dem Lise-Meitner-Park geht es wieder kurz durch bewohntes Gebiet. Wenn man die Luruper Hauptstraße überquert hat, erreicht man den nächsten und letzten Park auf dem ersten Abschnitt des Grünen Wegs, den Volkspark Altona. Der Volkspark ist mit 205 ha Hamburgs größter Park und er blickt auf eine Geschichte von über 100 Jahren zurück. Eigentlich ist er ein Waldpark mit zahlreichen Wegen – Spazierwege für die einen, Laufstecken für die anderen -, beheimatet aber auch bedeutende Sportstätten – die Trabrennbahn und das Stadion des HSV -, den Friedhof Altona, das Bornmoor und Europas ältesten Dahliengarten mit über 600 Sorten Dahlien. Letzteren hätte ich mir gerne angesehen, aber er war geschlossen. Also noch ein neuer Ausflug.

Verlässt man den Park am Stadion ist es bald vorbei mit grüner Idylle. Man nähert sich der A7, die sich am S-Bahnhof Stellingen über die Bahnlinie spannt. Dort endet Teil 1. Ich kaufe mir am Bahnhofskiosk ein Eis und steige in den Bus nach Hause.

Fortsetzung wird folgen. 

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