So viel Wasser

Eine Quiddje entdeckt Hamburg

So viel Wasser Allgemein Crime auf St. Pauli

Crime auf St. Pauli



Um St. Pauli im Allgemeinen und die Reeperbahn im Besonderen habe ich bisher einen Bogen gemacht. Mit dem Kiez verband ich wenig mehr als die klassischen Klischees: Rotlicht, Drogen, düstere Spelunken. Sex und Crime.
Nun führte mich letzteres nach St. Pauli, mitten auf den Kiez. Crime Day im St. Pauli Theater.

Gesprächsrunden, Vorträge und Workshops mit namhaften Krimi-Autoren, True Crime-Experten und Kriminalisten. Als Krimi-Junkie konnte ich mir das nicht entgehen lassen. Deswegen musste ich mich wohl oder übel nach St. Pauli begeben. Das St. Pauli Theater, Hamburgs ältestes Privattheater, liegt am Spielbudenplatz, direkt an der Reeperbahn, also mitten auf dem Kiez.

Ich studierte den Stadtplan. Es gibt einen S-Bahnhof am einen Ende der Reeperbahn und einen U-Bahnhof am anderen. Der Fussweg von der S-Bahn zum Theater ist kürzer, die Anreise mit der U-Bahn schneller. Der 111er Bus hätte mich ziemlich direkt am Theater abgesetzt, aber dazu hätte ich erst in die Innenstadt fahren müssen. Das erschien mir dann doch etwas übertrieben. Im Laufe der Woche stieg dann ein bisschen Neugier auf, verbunden mit Wagemut. Ich lebe in Hamburg. St. Pauli ist ein Teil meiner Stadt, ein weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannter Teil. Und ich traute mich nicht hin? Ich las Stadtteil-Porträts, Spaziergänge, alles was ich finden konnte. Am Ende stand der Plan: ich würde mich ganz wagemutig zu Fuss nähern. Mit der U3 bis Feldstraße fahren, und dann durch Straßen, die eher harmlos erschienen Richtung Reeperbahn spazieren. Was sollte mir da schon begegnen, an einem Samstag vormittag. Ein paar übriggebliebene Partyleute vielleicht, die noch nicht nach Hause gefunden hatten.

Mir begegneten dann vor allem Anwohner, die ihre Hunde Gassi führten (einer der Hunde bellte mich an, die Besitzerin entschuldigte sich nett) und Leute auf dem Weg zum Frühstück im Café. Es gibt nette Cafés. Irgendwann einmals muss ich im Kandie Shop in der Wohlwillstraße frühstücken. Außerdem gibt es türkische Gemüseläden, Vintage-Läden, alternative Boutiqen, Ateliers und Werkstätten. Viel Streetart. Alles ganz harmlos.

Schriller wird es, wenn man sich dann der Reeperbahn nähert. Die Kneipendichte steigt, die Namen der Lokalitäten werden skurriler, einschlägige Läden tauchen auf.


Ich erreichte die Reeperbahn an der legendären Davidwache und stellte mich vor dem St. Pauli Theater in die Schlange, die sich dort schon gebildet hatte. Niemand hatte versucht, mir Drogen zu verkaufen, kein Junkie hatte mich angehauen, ich war nicht nach meinem Preis gefragt worden und kein Betrunkener hatte mir vor die Füße gekotzt. War ich nun erleichtert oder enttäuscht?

Das St. Pauli Theater ist ein wunderbar plüschiges altes Theater mit Bar. Der Crime Day war inspirierend. Vielleicht schaffe ich es irgendwann doch noch, einen Krimi schreiben…

In einer Pause am Nachmittag trank ich einen Café in der Bar und wagte dann eine Runde über die Reeperbahn, zum Luft schnappen und um die tanzenden Türme zu fotografieren. In den Kneipen wurde Fussball übertragen. Ein Wasserwerfer stand auf der Davidstraße. Sonst war nicht viel los.

Als ich dann am Abend zur U-Bahn ging – St. Pauli, eine schöne alte U-Bahnstation mit Jugendstil-Eingang – war schon deutlich mehr Betrieb auf der Reeperbahn. Aber ich fühlte mich schon gar nicht mehr unwohl.

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