So viel Wasser

Eine Quiddje entdeckt Hamburg

So viel Wasser Allgemein Schietwetter

Schietwetter



Eigentlich wollte ich nicht über Schietwetter schreiben. Allenfalls irgendwann einmal darüber, wie viele verschiedene Arten von Regen wir in Hamburg kennen. Es gibt senkrechten, schrägen und sogar waagrechten Regen. Weichen und peitschenden Regen. Regen, der so fein ist, dass man ihn kaum wahrnimmt und Regen mit Tropfen, die als Seifenblasen durchgehen könnten. Die letzte Hamburger Stadtschreiberin, Katalijne Gillis, hat den Regen liebevoll mit „Himmelwasser“ umschrieben. Wunderbar. Oft wird (außerhalb Hamburgs) behauptet, in Hamburg würde es immer regnen. Was natürlich Unsinn ist. In München regnet es – statistisch belegt – mehr als in Hamburg. Und ich habe, seit ich in Hamburg lebe, viele Tage mit Sonne und strahlend blauem Himmel erlebt. Wahr ist allerdings, dass man ein bisschen Nass in Hamburg schon mal aushalten können muss, sonst ist man hier fehl am Platz. Aber wir sind ja nicht aus Zucker.

Als ich nach Hamburg kam, habe ich mir auf der Marktstraße im Karoviertel eine schicke grüne Regenjacke gekauft. Gummistiefel hatte ich schon. Ich verfüge über ein Sortiment billiger Regenschirme in verschiedenen Farben, die keiner steifen Brise gewachsen sind. Allesamt gekauft, als ich mal wieder ohne unterwegs war und Regen mich dazu nötigte. Einen richtig guten Regenschirm für Hamburg muss ich noch finden. Trotzdem habe ich bisher tapfer jedem Regen getrotzt. Habe mich über die Pfützen gefreut, in denen man tolle puddlegrams fotografieren kann.

Am Dienstag traf ich auf spürbaren Regen, als ich mein Büro verließ und zur U-Bahn wollte. Ich war nicht so richtig auf Regen eingestellt, weil ich noch zu einer Veranstaltung wollte und meine Kleidung eher danach ausgewählt hatte. Kleidchen, Lederstiefel, Wollmantel. Immerhin hatte ich einen der Schirme bei mir. Ich hatte das Glück, dass gerade ein Bus kam und mir den Fußweg zum Berliner Tor ersparte. Als ich dort ausstieg und an der Ampel warten musste, nahm ich wahr, dass es sich zum einen um ziemlich nassen Regen handelte, der in großen Mengen vom Himmel fiel und zudem auch ein eisiger Wind pfiff. In der Mönckebergstraße wollte ich dann erst nicht glauben, was ich sah, als ich aus dem Untergrund stieg. Das Wasser, das dort vom Himmel fiel, hatte keine flüssige Konsistenz mehr. Es war mindestens Schneeregen. Ich aß eine Currywurst beim Mö-Grill und schaute unter dem Dach der Bude stehend den nassen Flocken zu, die wild umher gewirbelt wurden. Plötzlich war alles nur noch nass und kalt und ungemütlich. Wenn ich mich nicht so auf die Veranstaltung bei der ZEIT gefreut hätte, wäre ich sofort in den Bus nach Hause gestiegen.

Das tat ich zwei Stunden später. Es regnete noch immer, aber ich lauschte gedanklich noch Giovanni di Lorenzo und schwebte durch das Nass. Als ich in Lokstedt aus dem Bus stieg, erwartete mich die Realität. Die Autos trugen weiße Mützen, in den Vorgärten lagen weiße Decken und auf den Straßen und Gehwegen dicker graubrauner Schneematsch. Bis ich zuhause ankam, waren meine Stiefel durchweicht. Regen schön und gut, aber das erschien mir doch ein bisschen viel des Guten.

Mittwoch morgen war der Schnee verschwunden. Es regnete wieder normal. Weicher Regen. Aber schon auf dem Fußweg vom Haus zur Straße hatten sich Pfützen gebildet, denen man nicht ausweichen konnte. Auf der Straße stand das Wasser stellenweise. Auf dem Lokstedter Steindamm bewegte sich eine Autoschlange in Schrittgeschwindigkeit. Der 5er Bus war quasi leer.

Im Büro saß ich dann mit nassen Füßen in nassen Stiefeln am Schreibtisch und versuchte mit Ingwertee die sichere Erkältung zu verhindern. Ich mußte daran denken, dass ich die Stiefel in New York gekauft hatte, wo ich den ganzen Sommer lang die Gummistiefel der New Yorkerinnen bewundert hatte. Ich hatte damals sogar eine Geschichte darüber geschrieben. Wenn es in New York regnet, trägt die New Yorkerin Gummistiefel. Zu Shorts genauso wie zum Sommerkleid oder zum Businesskostüm. Gummistiefel mit Design. In meinem New Yorker Sommer waren Paisley-Muster in. Als ich aus New York zurück kam, hatte ich lange nach einem schönen Paar Gummistiefel gesucht, die mich an New York erinnern würden. Warum stehen sie an so einem Tag eigentlich zuhause?

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